12.-13. Oktober 2016 | AREAL BÖHLER DÜSSELDORF

Alibaba gegen den Rest der Welt – Die neue Machtverteilung unter den Onlinehändlern21.02.2014

Amazon muss sich hüten, denn die Konkurrenz holt auf. Die breite Medienlandschaft beschreibt Amazon meist als den weltweit größten Onlinehändler. Doch diesen Titel konnte längst der chinesische Konzern Alibaba für sich beanspruchen. Das Transaktionsvolumen, das über die Alibaba Group erzielt wird, liegt mit über 170 Mrd. US-Dollar an der weltweiten Spitze der Onlinehändler. Amazon erreicht inklusive seines Marktplatzes mit ca. 80 Mrd. US-Dollar nicht einmal die Hälfte des chinesischen Online-Giganten. Rakuten, das japanische Pendant zu Amazon, kann die Marktführerposition mit einem Transaktionsvolumen von knapp über 12,5 Mrd. US-Dollar vorerst wohl kaum streitig machen.

 

Alibaba ist Amazon, eBay und PayPal in einem

Die 1999 gegründete Alibaba Group hat im Laufe der vergangenen Jahre Plattformen für verschiedene Zielgruppen entwickelt:

Alibaba.com ist das ursprüngliche Produkt der Alibaba Group und die weltweit größte B2B-Plattform unter den Onlinehändlern. Die Plattform vernetzt Händler aus nahezu allen Ländern der Welt und ist eine der großen Treiber für grenzüberschreitenden Onlinehandel.

Taobao Marketplace ist eine C2C-Plattform, die dem Prinzip von eBay ähnelt. Mit einem Sortimentsvolumen von 760 Millionen Artikeln und über 500 Millionen registrierten Nutzern ist Taobao der größte Marktplatz der Welt. Im Vergleich: eBay hat weltweit gerade einmal 124 Millionen aktive Benutzer. Um das C2C-Geschäft zu ergänzen, wurde 2008 eine B2C-Plattform entwickelt, die 2011 von Taobao abgespalten wurde und seither unter dem Namen Tmall.com eigenständig ist.

AliPay ist das Online-Payment-System der Alibaba Group. Ähnlich der Struktur von eBays PayPal ermöglicht es Nutzern mit einem Treuhandservice, einfach, sicher und schnell Zahlungsvorgänge online abzuwickeln. Das System nutzen inzwischen alle Plattformen der Alibaba Group wie auch weitere Onlineshops außerhalb der Alibaba Group. 2013 hatte AliPay über 800 Millionen registrierte Nutzer, womit es das größte Onlinebezahlsystem der Welt darstellt (Zum Vergleich: PayPal hat 152 Millionen aktive Accounts).

Eine Preissuchmaschine (eTao), ein Cloud Computing Service (Aliyun.com) und weitere E-Commerce Plattformen wie 1688.com, Juhuasuan oder AliExpress komplettieren das Angebot des chinesischen Mega-Konzerns.

 

Neue Strategie der derzeitigen Platzhirsche

Im Wettbieten der internationalen Allrounder wird eine neue Runde eingeläutet. eBay hat bereits angekündigt, den Druck zu erhöhen. Zukünftig will das Online-Auktionshaus ihr Engagement in der B2C-Welt verstärken und mit dem eigenen Marktplatz „The Plaza“ Amazon gefährlich werden. Doch auch Alibaba investiert in einen stärkeren Marktplatz: 2013 zahlte die chinesische Handelsgruppe über 200 Millionen US-Dollar für den Amazon-Rivalen ShopRunner. Eine künftige Integration von Tmall.com und ShopRunner würde den Wettkampf der Onlinemarktplätze rund um Amazon, eBays neuem „Plaza“ und Rakuten weiter anheizen. Amazon zeigt sich davon bislang unbeeindruckt und versucht mit neuen Technologien und Innovationen wie Drohnen ihre derzeitige Position als B2C-Marktführer zu verteidigen.

 

Das internationale Wachstum wird die Weichen stellen

Bisher zeigt sich Amazon auch mit der Internationalisierungsstrategie für den B2C-Markt als Vorreiter. Jedoch hat Amazon weltweit selbst nur 13 getrennte Webseiten im Angebot, von denen in weitere Länder verkauft wird. Nach den USA ist bereits Deutschland der zweitwichtigste Markt für den Onlinehändler aus Seattle. Andere Nationen spielen bisher nur eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Das Augenmerk der Alibaba Group liegt im B2C-Wesen bislang einzig auf China. Jedoch zeigt das starke B2B-Segment von Alibaba.com, dass Chinas größter Onlinehändler auch international agieren kann. Stark wachsende Märkte wie in Indonesien, Brasilien oder Südafrika bieten enormes Potential und werden in den kommenden Jahren den Markt der Onlinehändler stark beeinflussen. Die globale Expansionsstrategie und Wahl der zukünftigen Märkte wird den internationalen Erfolg der Online-Plattformen mitbestimmen.

 

Alibaba jagt unaufhaltsam die Rekorde – und ihre Mitbewerber

Im vergangenen Jahr erzielte Alibaba mit den beiden Plattformen Taobao und Tmall.com einen Rekordumsatz von 5,75 Mrd. US-Dollar an nur einem Tag. Der vergleichbare Cybermonday in den USA brachte allen US-Onlinehändler zusammen hingegen nur einen – im Vergleich sogar schwachen –  Umsatz von 1,46 Mrd. US-Dollar. Auch in Zukunft können wir mit weiteren Rekorden seitens Alibaba rechnen. Medienberichten zufolge plant Alibaba für 2014 einen Börsengang an der New Yorker Wall Street. Mit einem Kapitalzufluss von bis zu 10 Mrd. US-Dollar würden neue Mittel zur Wachstumssteigerung bestehen, die auch die Märkte in Europa und Nordamerika betreffen könnten. Jack Ma, CEO der Alibaba Group zeigt sich optimistisch und plant für die kommenden 5 Jahre Waren im Wert von jährlich fast 500 Mrd. Dollar über Alibaba zu verkaufen. Bei dieser Kampfansage müssen sich auch die hiesigen Onlinehändler vor einem Player hüten, der ganz sicher das Potential hat, zukünftig auch in Deutschland die Machtverhältnisse zu verrücken.

 

 

Ioana Sträter
Ioana Sträter
Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortet als Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

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