11.-12. Oktober 2017 | AREAL BÖHLER DÜSSELDORF

Mit Entertainment Waren verkaufen – Interview mit Peter Wippermann, Trendbuero09.05.2017

Peter Wippermann Trendbuero

Trendbüro wurde 1992 von Prof. Peter Wippermann (peterwippermann.com) in Hamburg gegründet als ‘Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel‘. Peter Wippermann ist einer der renommiertesten deutschen Trendforscher. Im Vorfeld der NEOCOM 2017 sprachen wir mit ihm über aktuelle Trends, die sich auf den Handel auswirken.

Prof. Peter Wippermann, von Sprachsteuerung bis zur Artificial Intelligence erleben wir derzeit eine Flut von neuen digitalen Diensten. Welche Trends werden Ihrer Meinung nach in den nächsten 2-5 Jahren den Handel am stärksten beeinflussen?

Prof. Peter Wippermann: „Man kann die Entwicklung nicht von den digitalen Diensten alleine her beobachten, sondern muss die Geschäftsmodelle betrachten. Die Idee, dass man von den Produkten weg geht und sich hin zum Kunden orientiert, dass der Handel persönlich wird, wird den größten Einfluss haben. Diese Entwicklung kann man gut beobachten, wenn man sich vor Augen hält, dass E-Commerce-Anbieter nach und nach reale Läden mieten und betreiben – aber mit einer Technologie, die das Verhalten des einzelnen Kunden erfasst. Gleichzeitig gehen die Unternehmen des stationären Handels in den Bereich Omnichannel und versuchen, von dort aus persönliche Daten zu sammeln, um den Kunden besser begreifen zu können.

Wenn man jetzt ein bisschen weiter in die Zukunft schaut, dann sieht man, dass Augmented Reality und Virtual Reality Technologien jetzt schon ausprobiert wurden vom Handel, z.B. von Alibaba im Bereich Virtual Reality.


Wenn man sich Amazon Look anschaut, sieht man, dass wir auf eine völlig andere Art von Kundenbeziehungen, Handel und Produktion zusteuern. Hier wird die Beratung für die Kunden über künstliche Intelligence automatisiert. Man erhält Feedback über ein Kamera-System, welche Dinge man am besten tragen oder kombinieren sollte. Im Hintergrund läuft eine Technologie, die Amazon mittlerweile patentiert hat. Sie sammelt Daten, die dann in die Produktion einfließt. Zuerst hat man die Kundendaten, damit die Wünsche der Kunden und kann dann erst die Produkte produzieren.“

 

Die Zukunftsstudie „Handel 2036“, die Sie gemeinsam mit QVC publiziert haben, wirft einen noch weiteren Blick in die Zukunft. Was kommt da auf den Handel zu?

Prof. Peter Wippermann: „Die Studie versucht, sich die Entwicklung aus der Perspektive der Konsumenten, der Menschen, vorzustellen. Wir haben Workshops und Marktforschung eingesetzt und 5 Thesen entwickelt. Die interessanteste These, die vor allem von den jüngeren Konsumenten bestätigt wird, ist, dass sich Einkaufen und Shopping trennen werden. Was zur Nutzung im Haushalt eingekauft wird wird sich automatisieren über Abosysteme oder über interaktive Systeme aus dem Haushalt heraus (z.B. Amazon Dash).

Die Shopping Idee ist hoch interessant, weil natürlich hier etwas vom Handel erwartet wird, was man eigentlich aus der Entertainment Industrie kennt: Dass die Leute unterhalten werden wollen. Das hat in der Restaurant Szene bereits begonnen, aber es ist eine Entwicklung, die in den Shopping Malls schon deutliche Zeichen setzt. Es wird mehr darum gehen, eine große Inszenierung zu schaffen, eine große Idee zu haben, die Leute zu unterhalten und damit auch Waren zu verkaufen.“

„Der Handel schafft eine bessere Welt“, lautet eine Ihrer Thesen. Woran machen Sie das fest?

Prof. Peter Wippermann: „Diese Entwicklung kommt aus der Nischenkultur der Gesellschaft, wo es beim Einkaufen auch um das Thema Moral geht, um ethischen Konsum. Mittlerweile weiß man, dass es auch um Produktsicherheit geht. Wenn man in die IT-Welt schaut, scheint es hier eine Lösung zu geben durch Block Chains. Walmart in China verbindet z.B. die gesamte Wertschöpfungskette über Block Chains in Lebensmittelbereich, vor allem im Bereich Fleisch. Wir können davon ausgehen, dass Vertrauen in der Zukunft Programm sein wird – und natürlich eine Kundenorientierung bietet, die in der Vergangenheit in der Form nicht möglich war.“

Prof. Peter Wippermann ist einer der Keynote-Speaker auf dem NEOCOM Kongress in Düsseldorf. Der Kongress und die parallele NEOCOM Messe finden statt vom 11.-12. Oktober auf dem Areal Böhler. Alles Infos und Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter www.neocom.de.

 

Ioana Sträter
Ioana Sträter
Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortet als Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

NEOCOM Blog wird präsentiert von