10.-11. Oktober 2018 | AREAL BÖHLER DÜSSELDORF

Mobile Commerce in Transferräumen: Chancen für Multi-Channel-Händler16.05.2013

Fast täglich erscheinen zurzeit Studienergebnisse zu Smartphonebesitz und –nutzung, die alle darauf hinweisen, dass das mobile Internet zunehmend Einzug in unseren Alltag hält und in den nächsten Jahren noch massiv wachsen wird. Heute besitzen 40% der Deutschen ein Smartphone und 20 Mio. deutsche Bundesbürger nutzen laut OVK mobile Internetangebote über ihre „Smart Devices“. Das ist mehr als jeder vierte Bundesbürger.

Mobile Internetpräsenzen werden also genutzt und gewinnen stark an Relevanz. Doch wo werden sie genutzt? Neben der Erkenntnis um den „Couch Commerce“ und der Etablierung des Tablets als „Second Screen“ im Wohnzimmer, zeigt eine BVDW Studie nun, dass sich der von Trendforschern propagierte Zustand des „always on“ tatsächlich durchsetzt. Knapp jeder zweite Smartphonenutzer ist immer und überall online. Aus den Zahlen geht außerdem hervor, dass Nutzer in typischen Pendler- und Wartesituationen z.B. an der Bushaltestelle oder in der U-Bahn zum Smartphone greifen. Insbesondere für den Multi-Channel-Handel eröffnen sich damit neue Potenziale in der Kundenansprache. Wie der potenzielle Kunde an seinem Ort und dem sich daraus ergebenden Nutzungskontext erreicht werden kann, wird im Folgenden kurz angerissen.

Kontextuelles mobiles Advertising

Auf der Suche nach dem mobilen Kunden können Händler auf unterschiedliche Dienste zurückgreifen. Einer von ihnen ist radcarpet. Das Berliner Start-Up bietet ortsbasierte, mobile Werbung an. Kurz gesagt bedeutet das, dass Werbebanner in den mobilen Angeboten von Verlagen standortabhängig ausgespielt werden. Händler, also Werbetreibende, können geografische Gebiete ersteigern, in denen dann ihre Werbekampagnen geschaltet werden. Dabei funktioniert das Bietverfahren ähnlich dem Real Time Bidding von Google AdWords. Hat der Werbetreibende ein Gebiet ersteigert, werden seine Banner bis auf zehn Meter genau auf die Smartphones der Leser gespielt. Der zentrale Vorteil dabei: Der Smartphonebesitzer wird in einer Nutzungssituation angesprochen, die geringe Barrieren für die Umsetzung einer propagierten Handlung aufweist. Beispielsweise ist das Aufsuchen eines nahe gelegenen Geschäftes für das ein aktuelles Angebot eingespielt bekommen hat, deutlich wahrscheinlicher als wenn man über eine Printanzeige am eigenen Küchentisch die gleiche Nachricht erhält.

Google Places und Shopping

Ein weiterer Weg mobile Nutzer unterwegs zu erreichen, ist die Nutzung von Google Places als relevantes Advertising Tool. Google Places for Business bietet bereits jetzt unterschiedliche Wege an, eine Filiale oder ein Unternehmen über alle Google Plattformen (vor allem Google Maps) hinweg zu präsentieren. Dieses Angebot sollte genutzt werden, denn 97% aller Kunden suchen Online nach lokalen Unternehmen. Nach der Registrierung des Geschäfts bei Google, müssen Händler Wege finden, ihre Kunden zum Schreiben von Reviews zu animieren – beispielsweise durch Rabatte nach dem Verfassen einer Rezension. Denn die Anzahl guter Reviews hat wiederum Einfluss auf das Google Ranking des Unternehmens bei passenden Suchanfragen. Gleichzeitig taucht das Geschäft dann auch prominent in Google Anwendungen wie Maps auf, wenn sich potenzielle Kunden in der Nähe befinden.

Außerdem sollte auch die strategische Nutzung von Google Shopping (ehem. Google Products) bedacht werden. Google listet hier inzwischen nicht nur Lagerbestand von E-Commerce-Shops sondern zeigt dem Interessenten sukzessive auch Produktverfügbarkeiten von Stationärhändlern an. Insbesondere Kaufinteressenten mit kurzfristigem Einsatzziel können so aktiviert werden.

Ausblick: Wall Shopping

Tesco, eine britische Lebensmittelkette begann Mitte 2011 damit, in Koreanischen U-Bahn- und Busstationen sogenannte Shopping Walls zu installieren. Damit sind Oberflächen, seien es Poster mit QR-Codes, Touchscreens oder per App bedienbare Bildflächen gemeint, die es dem Nutzer „on the go“ ermöglichen schnell und unkompliziert Waren einzukaufen. Seit Herbst 2012 gibt es diese Shopping Walls von Tesco auch in London. Außerdem erlauben inzwischen auch andere Händler, unter anderem Duty Free Shops am Frankfurter Flughafen, Pendlern den Einkauf außerhalb eines Ladengeschäfts via Wall Shopping. Hier zeigt die sinnvolle Verknüpfung unterschiedlicher Medien und der exakte Fokus auf einen bestimmten Nutzungskontext, wie Mobile-Commerce erkennbare Mehrwerte liefern kann. Oft werden QR-Codes Passanten ohne erkennbaren Nutzen und ohne Ziel vorgehalten, was zu einer Ablehnung dieser Technik führt. Die Verknüpfung von Kundensituation und Verkaufsmoment bringt beiden Parteien, Kunden und Händlern, Vorteile.

Die Studien und Beispiele zeigen deutlich, dass Mobile-Commerce vor allem dann erfolgreich ist, wenn er dem User in einer Entscheidungssituation die einfachste Alternative anbietet. Wenn der Griff zum Smartphone den Gang in das Geschäft, die Produktsuche, den Bezahlvorgang und den Warentransport nach Hause ersetzen kann, versteht der Kunde den direkten Mehrwert eines Angebots und die Nutzung wird wahrscheinlich.

Ioana Sträter
Ioana Sträter
Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortet als Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

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