12.-13. Oktober 2016 | AREAL BÖHLER DÜSSELDORF

Die Abverkaufsquote durch integrierten Re-Commerce verbessern06.08.2013

Re-Commerce ist weiter ein Wachstumsmarkt und alles andere als verstaubt oder mit dem guten alten Trödelmarkt auf Plätzen in urbanen Metropolen vergleichbar. Wer seinen Umsatz auch im Neugeschäft als Online-Händler steigern will, sollte über integrierte Re-Commerce-Lösungen, wie sie die Branchenriesen anbieten, nachdenken. Auch stationäre Händler setzen zunehmend auf Ankaufsservices, wie das Beispiel der In-Store-Lösung von FLIP4NEW zeigt. Im Re-Commerce Markt verschärft sich der Wettbewerb, nachdem Amazon seine Buchankäufe um das Elektroniksegment erweitert hat. Zudem weitet sich der Re-Commerce zum Multi-Channel-Angebot aus, kooperiert mit etablierten stationären Handelsmarken oder setzt auf eigene Shops.

Die Jüngeren dealen intensiver mit Gebrauchtem

Die Sempora Re-Commerce Studie, des Management Consulting Unternehmens aus dem Jahr 2012 spricht von einem „Multi-Channel Wachstumsmarkt“ beim Handel mit Secondhand-Ware. Wachstumsmarkt, weil die Anzahl der Händler ständig steigt, aber auch die große Zahl der Konsumenten ein ideales Marktumfeld bietet. Die Online-Studie befragte 1.041 Käufer, von denen 53 Prozent im letzten Jahr auf Secondhand-Ware zurückgriffen. Ausgeschlossen waren dabei Immobilien und Kraftfahrzeuge. Vor allem die jüngere Zielgruppe der 18-34 Jährigen kaufte mit 65 Prozent überdurchschnittlich Secondhand-Ware. 45 Prozent der Befragten hatten selbst Produkte zum Wiederverkauf angeboten. Parallel zur deutschen Studie hatte Sempora eine Befragung in Großbritannien durchgeführt, die zu ähnlichen Ergebnissen führte.

Bücher, Fashion und Unterhaltungselektronik sind die Renner

Bei den gekauften Produkten lagen Bücher mit 54 knapp vor Kleidung mit 46 Prozent in der Sempora Studie vorne. Ein fast gleiches Bild ergibt sich auch bei den verkauften Produkten, bei denen Bücher mit 46, Kleidung mit 44 Prozent vor der Unterhaltungselektronik liegen. Die beiden großen Anbieter eBay mit 61 und Amazon mit 35 Prozent hatten bei der Markenbekanntheit der Re-Commerce Händler klar die Nase vor Momox, reBuy, hood.de oder anderen kleineren Anbietern, deren Anteil bei 16 Prozent lag. Geld verdienen spielt bei den meisten Verkäufern von Gebrauchtem nicht die primäre Rolle, sondern Platz schaffen und Entrümpeln steht mit 86 Prozent ganz vorne auf Platz 1.

Die Konsumenten bevorzugen bequeme Lösungen beim Verkauf

Als 1995 eBay an den Start ging – wer erinnert sich nicht an die Kampagne „3-2-1 meins“ – war das eigene Anbieten von Gebrauchtem und Ersteigern auf der Online Plattform stark en vogue. Heute sucht die Mehrzahl der Endverbraucher nach der für sie bequemsten Lösung, vor allem im Bereich Consumer Elektronik. Keine so große Rolle spielt dabei der Preis, den man für sein Gebrauchtgerät erzielt, denn der Ankaufspreis eines professionellen Wiederverkäufers liegt in der Regel unter dem, den man bei Eigenvermarktung erzielen kann. 2011 startete eBay mit sofortverkauf.ebay.de eine Microsite, auf der die Verbraucher ihre gebrauchten Elektronikgeräte zu standardisierten Konditionen verkaufen konnten. Seit Juni diesen Jahres wurde die Seite als eBay Elektronik-Ankauf neu überarbeitet präsentiert. Der Service ist denkbar einfach: Produkt auswählen, kurzen Fragenkatalog beantworten, Gebrauchtgerät einsenden und Geld etwa auf ein PayPal-Konto erhalten. eBay bietet diesen Service mit FLIP4NEW an ein Unternehmen, das unter dem Namen FLIP4SHOP auf dem weltweiten Online-Marktplatz handelt. Bis heute, so eBay, seien mehr als 2,5 Millionen Ankaufangebote abgegeben worden. Im Fokus stehen dabei der Wiederverkauf von Smartphones, wie etwa das iPhone, Samsung Galaxy oder HTC-Geräte. Der durchschnittliche Warenwert, so das Unternehmen, betrage rund 200 Euro.

Neben den privaten Endverbrauchern richtet sich der Blick des Re-Commercce Anbieters FLIP4NEW verstärkt auch auf Online- und stationäre Händler. So hat man eine In-Store-Lösung On- und Offline entwickelt. Wer ein neues Produkt kaufen möchte, kann sein Altes in Zahlung geben. In Schritt Eins wählt der Kunde sein Produkt aus, das er verkaufen will, beschreibt es und bekommt sofort einen konkreten Wertbetrag für sein gebrauchtes Produkt genannt. Ist er mit dem Verkaufspreis einverstanden, erhält er einen Gutschein, den er sofort beim Einkauf des Neugerätes einlösen kann. Für den Online-Händler hat dies gleich mehrere Vorteile. Zum einen einen Imagevorteil als Händler für nachhaltigen Konsum zu stehen und zum anderen erhöht er seine Chancen beim Abverkauf. Auch das Preisvergleichsportal www.billiger.de setzt im Re-Commerce bei Unterhaltungselektronik mittlerweile auf FLIP4NEW und kooperiert mit dem Re-Commerce-Anbieter.

Auch der stationäre Handel hat den Trend erkannt. 2012 beteiligte sich Media-Saturn mit einer Minderheitsbeteiligung am Online-Aufkäufer FLIP4NEW und bietet dessen Service mittlerweile auch in über 100 stationären Märkten an. FLIP4NEW hat auch für den stationären Handel eine In-Store-Lösung erarbeitet. Auch Gravis ist Partner des Online-Aufkäufers. Bei stationären Händlern bietet das Re-Commerce Unternehmen zur Integration des Partnerprogramms Schulungen für Mitarbeiter an, damit diese etwa Altgeräte nach objektiven Kriterien beim Ankauf im Ladengeschäft bewerten können. Es handelt sich dabei nicht um eine White-Label-Lösung, sondern FLIP4NEW tritt unter eigenem Namen in den Shops vor Ort auf, da man sich auch für das Rechtsgeschäft verantwortlich zeichnet.

Die NEOCOM erkannte das Potenzial des Re-Commerce schon 2012, als man auf der Gala-Nacht im Kurhaus Wiesbaden den „Young Business Award“ an www.textil-ankauf.com vergab und sogar Moderatorin Corinna Wohlfeil ihr blaues Kleid aus der Vorjahresgala 2011 zur Verfügung stellte. Die beiden größten deutschen Re-Commerce Händler sind, neben Amazon und eBay, Momox und Rebuy. Nach eigenen Angaben setzte Momox im Jahr 2012 rund 60 Millionen Euro um, 2011 waren es noch 40 Millionen. Derzeit beschäftigt man rund 600 Mitarbeiter und zog 2012 nach Leipzig in das ehemalige Logistikzentrum von Quelle. Momox ist die Marke, die ankauft und Medimops.de die Marke für den Verkauf, die auch den Schritt in den stationären Handel mit fünf eigenen Läden in Berlin gewagt hat. Rebuy gibt seinen Umsatz mit rund 40 Millionen Euro in 2012 an und erklärte im vierten Quartal 2012 den Break Even vollzogen zu haben. Iris Capital hat sich erst kürzlich, wie im März 2013 bekannt wurde, an Rebuy.de beteiligt, das auch von Hasso Plattner Ventures unterstützt wird, um nur einen weiteren namhaften Investor zu nennen. 2013 startete Rebuy.de eine TV-Kampagne, um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Neben den genannten Portalen stehen auch Wirkaufens und Verkaufsuns im Wettbewerb neben vielen weiteren, kleineren Anbietern und den Dickschiffen Amazon und eBay.

Ioana Sträter
Ioana Sträter
Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortet als Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

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