23.–24. Oktober 2018 | Kameha Grand, Bonn

SEPA – Die Internetlastschrift wird bürokratischer und schwierig umzusetzen18.07.2013

Wir Deutschen waren schon Weltmeister im Spargel essen, Papierverbrauch, Sektkonsum, Bauchreden, Dauerduschen und liegen beim Bezahlen mit Lastschriftverfahren an der Spitze in Europa. Die Internetlastschrift liegt auf Platz Drei der beliebtesten Zahlungsmethoden deutscher Online Shopper. Wer diese Bezahlmethode anbietet, die rund 40 Prozent der deutschen Online-Shops nutzen, sollte sich jetzt mit der Single Euro Payments Area, SEPA kurz genannt, intensiv auseinandersetzen. Der NEOCOM Blog erklärt Grundzüge von SEPA und den aktuellen Stand der Diskussion. Wer als Online-Händler nach der Vogel-Strauss-Methode den Kopf in den digitalen Pixelsand steckt, könnte am Ende Kunden und Umsatz verlieren.

Darum geht es bei SEPA

SEPA ist ein verbindliches Regelwerk für den bargeldlosen Zahlungsverkehr innerhalb der EU, um diesen zu standardisieren. Nach dem 1. Februar 2014 gibt es keine nationalen Überweisungs- und Lastschriftverfahren mehr. Die Regeln gelten für alle 28 EU-Mitgliedsstaaten, sowie in Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und der Schweiz. Wer nicht rechtzeitig umstellt, dem drohen Zahlungsausfälle, mahnen Experten. Der deutsche stationäre Einzelhandel kann das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV) am Point of Sale noch bis zum 1. Februar 2016 nutzen, für den Onlinehandel gibt es keine Übergangsfrist. Ein Whitepaper des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) und des Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) steht zur Verfügung.

Prinzipiell gibt es für die SEPA-Lastschrift zwei Verfahren: die SEPA-Basislastschrift (SEPA Core Direct Debit) für den Zahlungsverkehr zwischen Händler und Kunden sowie die SEPA-Firmenlastschrift (SEPA Business to Business Direct Debit), die ausschließlich für den Verkehr mit Geschäftskunden vorgesehen ist. Der NEOCOM Blog befasst sich im Folgenden mit der SEPA-Basislastschrift.

Die wichtigsten Änderungen der SEPA Core Direct Debit im Überblick

  • Lastschriften benötigen eine physikalische Unterschrift mit Datumsangabe auf einer Ermächtigung des Kunden, das sogenannte SEPA-Mandat.
  • Die bisherige Kontonummer wird durch IBAN und BIC ersetzt
  • Lastschriften müssen dem Kontoinhaber 14 Tage vor der Abbuchung mit dem exakten Abbuchungstermin und Betrag angekündigt werden. Weichen Vertragspartner und Kontoinhaber voneinander ab, ist trotzdem der Kontoinhaber Ansprechpartner Nummer eins. Nur hilfsweise kann der Vertragspartner kontaktiert werden. (Pre-Notification)
  • Erstmalige Lastschriften müssen fünf Tage, nachfolgende Lastschriften immerhin noch zwei Tage vor der Abbuchung bei der Bank eingereicht werden. (Vorlagefrist)
  • Zur Ausführung von Lastschriften benötigt jedes Unternehmen eine Gläubiger-Identifikationsnummer, die bei der Deutschen Bundesbank beantragt werden kann. Und jedem Mandat, also Kunden, muss eine eindeutige Kennung zugeschrieben werden.

Die Deutsche Kreditwirtschaft gibt auf ihrer Internetseite klare Anweisungen und Regeln vor, wie eine Internetlastschrift in Zukunft gehandhabt werden muss. Dort finden sich auch Beispiel-Formulare für das SEPA-Lastschriftmandat, das Kombimandat und das Beispielschreiben zur Umstellung auf das SEPA-Basis-Lastschriftverfahren auf der Grundlage des Regelwerkes für die SEPA-Basis-Lastschrift.

Ohne physische Unterschrift des Kunden keine Rechtssicherheit beim SEPA-Internetlastschriftverfahren

Die EPC-Regelwerke (Rulebooks des European Payment Councils) sehen zwei Arten vor Lastschriftverfahren zu mandatieren. Die physische Unterschrift auf Papier. Oder das „e-Mandat“ bei dem der Zahler etwa die Autorisierung über das Online-Banking realisiert. Für das „eMandat“ fehlt allerdings die technische Infrastruktur in Deutschland und die Deutsche Kreditwirtschaft akzeptiert in ihren Inkassobedingungen derzeit nur Mandate auf Papier bei SEPA-Lastschriften. Auch wenn BaFin, der Deutsche Bundestag, das Bundesfinanzministerium und die Deutsche Bundesbank sich auch unter SEPA für eine Beibehaltung der jetzt üblichen Mandate aussprachen und die EPC-Regelwerke weiter auslegen. E-Commerce-Händler, sollten, sofern die EPC-Regelwerke nicht angepasst werden – wovon Experten aber nicht ausgehen – erwägen, ob sie die Internetlastschrift ihren Kunden nach dem 1. Februar 2014 weiterhin als Zahlungsmittel anbieten können, denn sie laufen Gefahr, etwa bei einer Privatinsolvenz, ihre Forderungen nicht vollständig eintreiben zu können.

Für den Endkunden ändert sich wenig – für den Online-Händler viel

Bestehen bleibt die Widerspruchsfrist von 13 Monaten, wenn der Online-Händler kein gültiges SEPA-Lastschriftmandat vorweisen kann. Kann der Online-Händler ein Mandat vorlegen, derzeit rechtssicher nur mit physischer Unterschrift, dann gilt wie bisher die Rücklastschriftfrist von acht Wochen. Für den Kunden soll das Lastschriftverfahren zudem transparenter werden, denn er kann, bevor das Unternehmen den Betrag von seinem Konto einzieht, sehen, wer wann und wie viel abbuchen lässt. Da viele Verbraucher bisher aber mit dem SEPA Verfahren nicht in Kontakt kamen, gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Kundenfragen Anfang des kommenden Jahres steigen wird und sich Händler darauf einstellen sollten. Zudem gilt es für Online-Händler zu vermeiden, dass Kunden wegen des neuen Verfahrens ihren Kauf abbrechen, weil vielleicht nicht mehr alle bislang genutzten Optionen, wie eben die Internetlastschrift vom Betreiber des Shops, angeboten werden.

Es gibt erste Systeme und Angebote für elektronische Unterschriften, die als PDF gespeichert werden oder „eMandate“ auf Basis von PIN /TAN-Nummern auf dem Markt. Online-Händler, die eine Einführung solcher Systeme in Betracht ziehen, sollten aber auf alle Fälle vor Investitionen und der Einführung Rücksprache mit ihrem Kreditinstitut halten. Online-Händler, die das Lastschriftverfahren anbieten, sollten sich intensiv um Lösungen und einen frühzeitigen Dialog mit ihren Kunden kümmern, denn SEPA ist eine gesetzliche Vorgabe, die den Umstieg zum 1. Februar 2014 verbindlich anordnet. Neben der Lastschrift sollte man nicht aus dem Blick verlieren, dass auch alle Stammdaten von Kunden und Mitarbeitern etwa auf IBAN und BIC umgestellt werden müssen. Also nicht die Zeit den Kopf in den Pixelsand zu stecken, sondern eher in die Hände zu spucken.

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Ioana Sträter
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Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortete als ehemalige Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

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