23.–24. Oktober 2018 | Kameha Grand, Bonn

Wachstum und Optimierung – Interview mit Jens Ullrich, Geschäftsführer K-New Media16.10.2014

Der Trend zur Digitalisierung zeitigt in verschiedenen Handelsunternehmen unterschiedliche Wirkung. Die einen setzen auf Innovation und Marketing, die anderen eher auf Effizienzsteigerungen in den Prozessen. Manchmal ist es besser, ein internes Startup an einem anderen Standort aufzubauen, damit es mit den bestehenden Prozessen und Stakeholdern nicht in Konflikt gerät.

 

Jens-Ulrich

Herr Ullrich, im Grunde beschäftigen Sie sich mit der Investitionstätigkeit eines großen Handelsunternehmens, aktuell sind Sie aber mit internen Projekten beschäftigt. Mit welchen?

Aktuell betreue ich auf der einen Seite die Weiterentwicklung des Translation-Management-Systems, das im Unternehmen eingesetzt wird. Das Thema ist vor gut einem Jahr bei uns auf der Agenda gelandet und da die Internationalisierung ein wichtiger Wachstumshebel ist, ist ein solches Tool eine sehr nützliche Sache.

Das zweite Projekt ist der Aufbau einer Art Middleware, die dafür sorgt, dass alle Kundendaten aus den Kanälen zusammengeführt werden, so dass sie für die vollautomatisierte Individualisierung genutzt werden können.

 

Wie hoch ist der Digitalisierungsdruck für Ihren Kunden?

Ullrich: Es laufen aktuell sehr viele Projekte bei der Konzernmutter. Wenn Sie dazu ins Kalkül ziehen, dass die meisten Handelsunternehmen sehr effizient arbeiten und priorisieren müssen, sehen Sie, welche Bedeutung das für unser Haus hat. Wir müssen aber dabei sehr aufpassen, dass unser Kerngeschäft nicht darunter leidet.

 

Wie geht man organisatorisch damit um? Injiziert man solche Projekte in bestehende Abteilungen oder bildet man „interne Startups“?

Ullrich: Das war tatsächlich die Entscheidung, vor der wir vor zwei Jahren standen. Wir haben uns dafür entschieden, das nicht am Heimatstandort sondern in Berlin mit dem „Inkubator“ K-New Media zu machen. Das sind komplett neue Leute und wir sind sehr weit weg vom Mutterhaus. Was in Berlin passiert hat aber hohe Strahlkraft in Richtung Mutterhaus.

Im zweiten Schritt haben wir das Online-Marketing nach Berlin geholt, da es ab einer gewissen Größe Sinn macht diesen operativen Teil selbst zu machen. Es gab Konflikte, war aber auch produktiv. Die Onliner wurden von der „Old Economy“ geerdet und diese wiederum haben gelernt, dass und warum online inzwischen einen nennenswerten Anteil vom Werbebudget ausmacht.

 

Allgemein wird Händlern derzeit geraten, in ihren Markenaufbau zu investieren, um online sichtbarer zu werden. Was kann man hier tun?

Ullrich: Das ist ein gerne genommenes Argument: Marke stärken. Und das ist auch nicht falsch. Die Sache ist aber die, dass Marke nicht für jeden funktioniert. Für Hersteller natürlich, aber wahrlich nicht für jeden Händler. Für das Thema Vertrauen spielt Marke wie bei Otto oder Amazon fraglos eine wichtige Rolle. Aber ansonsten ist es eher schwierig, die Marke online erlebbar zu machen.

 

Steht mobile oben auf Ihrer Agenda?

Ullrich: Das ist für uns eher ein Hygienefaktor. Wir stellen gerade um auf Responsive Web Design. Bis zum Jahresende werden das alle unsere Mandanten können, aber den großen Durchbruch erhoffen wir uns davon nicht. Das ist für unsere Klientel noch kein sehr wichtiger Kanal. Auch Same-Day-Delivery oder Technikschmankerl wie Augmented Reality interessiert unsere Kundschaft bisher nicht besonders. Die betriebswirtschaftlich sinnvolle Beschleunigung der Geschäftsprozesse steht da für uns schon eher auf der Agenda.

 

Wenn es weniger die technischen Innovationsfelder sind, auf die sie schielen, in welchen Feldern wirkt sich der Digitaltrend am Stärksten aus.

Ullrich: Die KLiNGEL-Gruppe war schon immer stark darin, bestehende Prozesse weiter zu optimieren. Wir setzen z.B. in der Logistik nicht auf das „Ameisenstaat-Prinzip“, wie Amazon, sondern versuchen durch bessere Automatisierung immer effizienter zu werden. Das werden wir in Zukunft auch in immer mehr Prozessen tun. Wie z.B. anfangs erwähnt bei den Übersetzungs- oder Individualisierungsprozessen.

 

Herr Ullrich, wir freuen uns auf Ihren Auftritt auf der Neocom in Düsseldorf.

Ioana Sträter
Ioana Sträter
Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortete als ehemalige Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

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