23.–24. Oktober 2018 | Kameha Grand, Bonn

E-Commerce der Zukunft – Wie wir in Zukunft einkaufen30.07.2014

In der im Mai veröffentlichten Studie Global E-Tailing 2025 von Deutsche Post DHL prophezeien Branchenexperten, wo der Weg im E-Commerce hinführen kann. In vier Szenarien antizipieren die Experten die Marktentwicklung der nächsten zehn Jahre.

 

In der vergangenen Dekade revolutionierten Smartphones und soziale Vernetzung den digitalen Handel

 

Oftmals vergessen wir offenbar, wie schnell sich der Markt in der Vergangenheit entwickelt hat. Wer hätte früher schon an den Siegeszug der heutigen Standards geglaubt? Kaum vorstellbar, dass vor nicht einmal 10 Jahren weder Facebook noch Smartphones existierten – Medien, die wir inzwischen tagtäglich benutzen. Wie also hätte man den Erfolg von Social Media oder den Boom im M-Commerce inklusive seiner Local Based Services vorhersagen können? Dass der tägliche Blick auf die Aktivitäten der Freunde und selbst eine Pizzabestellung mittels Smartphone heute vollkommen normal sind, war damals wohl kaum denkbar. Heute wissen wir: Social, Local, Mobile – heute begrifflich vereint unter SoLoMo – haben sich durchgesetzt.

Weil davon auszugehen ist, dass sich auch in den kommenden Jahren gleich mehrere Trends entwickeln werden, stellt die Studie Global E-Tailing 2025 deshalb vier mögliche Szenarien, abhängig von technologischer und wirtschaftlicher Entwicklung, vor.

 

Szenario 1: Hybrider Konsum in konvergenten Handelswelten

 

Schon heute zeigen sich hybride Shoppingmethoden als Modell der Zukunft. So ist selbst bei moderatem wirtschaftlichem Wachstum und geringer technologischer Fortschritte davon auszugehen, dass die Shoppingmotive ‚Convenience‘ und ‚Erlebnis‘ durch hybride Shoppingmethoden wie Showrooming verbunden werden. So werden zukünftig immer mehr Händler wenige stationäre Ladenzeilen lediglich als Ausstellfläche nutzen – bestellt wird entweder per Tablet vor Ort oder auf dem inzwischen traditionellen Weg von zu Hause.

Zudem wird sich aber vor allem der Handel außerhalb von jeglichen Räumlichkeiten durch roll- und faltbare mobile Endgeräte noch weiter stärken. Interaktive Displays sind allgegenwärtig und bieten völlig neue Shoppingerlebnisse. Diese Gegebenheit fasst das Stichwort Everywhere Commerce zusammen. Schnelle und flexible Zustellmethoden unterstützen diese Handelsform. Dieses YouTube-Video zeigt mögliche Anwendungsbereiche.

 

 

Bei Szenario 1 stellt die Globalisierung einen besonderen Veränderungseffekt dar. Danach wird der Markt von wenigen Big Playern bestimmt; nur regional werden auch kleinere Anbieter mitreden können.

 

Szenario 2: Selbstinszenierung in virtuellen Gemeinschaften

 

Szenario 2 unterstellt einen höheren Wohlstand, der besonders von einer intensiveren communityfixierten Freizeitorientierung sowie einer rasant wachsenden Weltwirtschaft geprägt ist.

In diesem Szenario sind technologische Entwicklungen dominant. Mobile Geräte werden durch tragbare Geräte, sogenannte Wearables wie Smartwatches oder SmartGlasses, nicht nur als Gadgets, sondern als feste Bestandteile ergänzt. Im stationären Einzelhandel nehmen 3D-Drucker Einzug und bewirken ein völlig anderes Shoppingerlebnis.

In der Gesellschaft drängt sich insbesondere der Community-Gedanke auf – dieser neue Lifestyle verändert auch die Handelslandschaft enorm. Die Gestaltung von Kaufhäusern entwickelt sich zunehmend in Themenwelten; die steigende Nachfrage wird jedoch überwiegend durch den Onlinehandel befriedigt. Die Produktwelt wird ebenfalls digital – jegliche analoge Produkte sind mit Sensoren und Datenübertragungstechnologien ausgestattet – unter anderem, um noch mehr Informationen mit der Community zu teilen.

 

Szenario 3: Künstliche Intelligenz im digitalen Handelskosmos

 

In Szenario 3 gehen die Experten von einer guten wirtschaftlichen Lage aus, die sich besonders infolge einer hohen Innovationsdynamik entwickelt hat. Diese führt dazu, dass Wearables keine Gadgets, sondern wichtiger Begleiter im Alltag sind. Online-Bestellungen über smarte Kontaktlinsen oder digitale Avatare sind die Regel. Geliefert wird nicht nur Same-Day, sondern sogar Same-Hour, da Logistikprozesse ausgereift sind und Drohnen den Luftverkehr bereichern. Das von Amazon im Jahr 2013 noch parodierte Yesterday-Shipping durch Predictive Purchasing findet tatsächlich Anwendung, weil Händler das Kundenverhalten präzise analysieren und Produkte ohne Kundenaufforderungen versenden.

Jedoch lauern auch Gefahren: Cyberkriminalität gilt als allgegenwärtige Bedrohung und somit auch als große Herausforderung, um die hohen Sicherheitsbedürfnisse der Kunden zu befriedigen. Datenschutz und Datenkontrollen bleiben weiterhin ungelöste Probleme. Immerhin wurde der Kampf gegen Produktpiraterie mit dem Aufbau intelligenter Supply Chains gewonnen.

 

Szenario 4: Kollaborativer Konsum in einer regionalisierten Handelslandschaft

 

Dieses Szenario stellt den Worst-Case dar. Eine stagnierte Weltwirtschaft, die besonders infolge einer zweiten Weltwirtschaftkrise gelitten hat, wird durch Regionalisierung statt Globalisierung bestimmt. Grenzüberschreitender Handel war ein zu optimistischer Trend aus den 2010er Jahren; die Nachfrage ist durch Protektionismus und knappe Privatbudgets selbst im Onlinehandel stark zurückgegangen.

Fortschritte in der Technologie haben kaum zugenommen, hingegen aber die Langlebigkeit von Produkten. Dies ist regelmäßiger und moderner Reparatur- und Serviceleistungen zu verdanken. Innovativ und zukunftsorientiert zeigt sich hingegen die Shareconomy – eine lokale Gesellschaft, bei der das Teilen im Vordergrund steht. Diese profitiert von innovativen Nutzungsmodellen, die das private Eigentum an Produkten zunehmend ablösen. So werden beispielsweise Leasing- und Sharingoptionen und neue Modelle für die Verwaltung von Nutzungsrechten zu Alternativen für die Verbraucher.

 

Der zukünftige Handel wird von Everywhere-Shopping geprägt

 

Die Global E-Tailing Studie 2025 hat eine Vielzahl von spannenden und zukunftsorientierten Entwicklungspfaden für die nächste Dekade aufgezeigt. Dass eines der vorgestellten Szenarien exakt wie beschrieben verläuft, ist unwahrscheinlich. Denkbar ist allerdings eine Kombination einiger Szenarien. Besonders die Entwicklung einiger Produkte (bspw. von Shopping-Avataren) ist nicht nur technologisch eine zu große Herausforderung, sondern vor allem durch die fehlende Akzeptanz der Verbraucher eingeschränkt. Dennoch wird der digitale Handel der Zukunft vom Everywhere-Shopping geprägt sein. Welche Form und welche Kanäle dabei die größte Rolle spielen werden, bleibt abzuwarten.

Ioana Sträter
Ioana Sträter
Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortete als ehemalige Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

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