23.–24. Oktober 2018 | Kameha Grand, Bonn

Same Day Delivery und logistische Herausforderungen des E-Commerce30.10.2013

Serviceversprechen von Online-Händlern haben häufig mit schnellen oder besonders komfortablen Versandmöglichkeiten zu tun. Die medialen Betrachtungen des Same Day Delivery respektive des Same Hour Delivery gehen aber meist zu kurz, weil die aufwendigen Logistiklösungen, die moderne Fulfillmentversprechen erst möglich machen, nicht gebührend beachtet werden. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie sich die Logistik mit all ihren Facetten entwickelt und versucht den unruhigen E-Commerce abzufedern. Hier müssen Systeme integriert werden, die dem agilen Onlinehandel flexibel entgegenkommen und gleichzeitig auf skalierbaren Systemen fußen, um nicht in die Kostenfalle zu tappen.

Bernd Kratz, Geschäftsführer der Executive Management Advisors GmbH (EMA), betonte heute auf dem NEOCOM-Kongress in Düsseldorf diesbezüglich, der dynamische E-Commerce fordere eine „flexible, hochprofessionelle, schnelle und kostengünstige logistische Abwicklung in den Paketfabriken“. Bisher hätte es den Versandhändlern gereicht, einen „einigermaßen akzeptablen“ Versandservice anzubieten – „selbst Fehlsendungen wurden akzeptiert“. Das Blatt hat sich inzwischen gewendet, Kunden erwarten völlige Transparenz und die Warenbewegungen sind immer kurzfristiger und in immer größeren Ausmaßen zu meistern.

 

Völlige Transparenz, kurzfristige Warenbewegungen und ausreichende Kapazitäten, scheint der britische Zustelldienst Shutl bereitzustellen. Shutl-Nutzer bestellen ihre Ware bei einem Online-Händler, der mit dem Fulfillment-Anbieter kooperiert und wählen diesen dann bei den Versandoptionen aus. Je nach Entfernung des Bestellers zum nächsten Lager des Händlers oder einem stationären Retailer und der gewählten Lieferzeit, sehen die Kunden unterschiedliche Tarifoptionen. Anschließend können sie den Kurier, der ihre Bestellung liefert, live auf einer Karte beobachten. Die bisherige Rekordzustellzeit beträgt 13 Minuten. Letzte Woche wurde der weltweit führende Anbieter im „Same Day/Hour Delivery“-Markt vom Internetgiganten eBay aufgekauft. Shutls Stärke liegt in ihrem Algorithmus, der nach der Aufgabe einer Bestellung die Order und Route einem teilnehmenden Kurier zuteilt. Shutl steht als Vermittler zwischen Online-Shops, Konsumenten und unabhängigen Kurierdiensten. Tom Allason, Gründer und CEO von Shutl betonte auf dem NEOCOM-Kongress wie wichtig eine schnelle und zuverlässige Lieferung für den gesamten E-Commerce sei. Laut der von Allason angeführten Fulfillment-Studie sind unzureichende Lieferservices schuld an 60 Prozent aller Kaufabbrüche.

Schnelle Lieferzeiten setzen gleichzeitig ein komplexes Logistik-System voraus, das nahtlos mit dem Order-Management der Website verknüpft ist. Gerade im E-Commerce sorgen deswegen vielversprechende Fulfillment-Angebote für Probleme in der Lagerhalle. Intra-Logistik, die Logistik innerhalb der Betriebsgelände, wird daher zu einem wichtigen Thema der Zukunft. Vorreiter auf diesem Feld ist, wie so oft, Amazon, die mit ihren teilweise vollautomatisierten und robotisierten Lagerhallen der Konkurrenz vormachen wie effektives Lager-Management auszusehen hat. Die Zukunft wird jenen Logistiksystemen gehören, „die einen hohen Automatisierungsgrad vorweisen, sich dennoch flexibel gegenüber sich kurzfristig verändernden heterogenen Sortimenten darstellen, sich skalierbar den Mengenentwicklungen anpassen und mit einer simplen und ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung den Menschen weiterhin im Fokus behalten“ so Bernd Kratz.

Um gleichzeitig Automatisierung, Flexibilität und Skalierbarkeit zu gewährleisten, müssen solche Lager-Management-Systeme modular aufgebaut sein. Auf diese Weise kann relativ kurzfristig auf Logistik-Schwankungen eingegangen werden, ohne dass finanzielle oder logistische Engpässe riskiert werden. Die Grenzebach Automation GmbH hat ein System entwickelt, das genau nach diesen Vorgaben funktioniert. Das „G-Com“-Konzept besteht aus Regalen, die von Transportrobotern an die Packstationen gefahren werden können. Somit ist bis auf das Befüllen der Regale und Packen der Pakete, der gesamte Prozess von der Bestellungsaufgabe bis zum Packprozess automatisiert und gesteuert. Laut Herr Dr. Christian Wurll, Chief Technology Officer General Industry der Grenzbach Automation GmbH, können durch das „G-Com“-Konzept 70 – 80 Prozent der Personalleistungen im Intra-Logistik-Bereich eingespart werden. Zusätzlich brauchen die Roboter 20 – 30 Prozent weniger Platz, hinzu kommen niedrigere Energiekosten da Roboter auch im Dunkeln oder in der Kälte arbeiten können.

Die Entwicklung hin zu immer autarkeren Systemen im Logistikbereich kommt den Fulfillmentangeboten der Online-Händler natürlich entgegen, sie können noch billiger und noch zuverlässiger lagern und verschicken. Gewerkschafter und Arbeitsrechtler werden den schwindenden Fließbandarbeitsplätzen mit einem lachenden und einem weinenden Auge nachgrübeln.

Ioana Sträter
Ioana Sträter
Ioana Sträter

Ioana Sträter verantwortete als ehemalige Geschäftsführerin das Kongress- und Messeprogramm von Management Forum, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt. Zum Portfolio gehören neben der NEOCOM auch der Deutsche Handelskongress, der Deutsche Marketingtag, die Content World Konferenz und viele mehr.

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